Den Rollstuhl richtig einstellen und bequem sitzen

Ein falsch eingestellter Rollstuhl ist nicht nur unbequem – er kann schmerzhafte Druckstellen und dauerhafte Fehlhaltungen verursachen. Dabei lässt sich das mit ein paar gezielten Handgriffen meist leicht vermeiden.

Wichtig dabei: Zuerst müssen die Rollstuhl-Maße an sich stimmen, also Sitzbreite, Sitztiefe und Co. Erst danach geht es an die Feinheiten. Denn auch der passende Rollstuhl sitzt selten von Anfang an optimal. Damit nichts drückt und Sie wirklich bequem sitzen, müssen Fußstützen, Armlehnen, Sitzhöhe und Rückenlehne genau auf Ihren Körper abgestimmt werden.

Was Sie dabei selbst anpassen können und wie die richtige Einstellung aussieht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Lachender Mann sitzt im Rollstuhl im Park

Warum die richtige Einstellung so wichtig ist

Leider fällt häufig erst dann auf, dass jemand falsch sitzt, wenn sich Beschwerden zeigen. Viele klagen dann über Druckstellen, Rückenschmerzen, einen verspannten Nacken oder sogar Dekubitus. Achten Sie deshalb schon frühzeitig auf Warnsignale.

Trifft mindestens einer dieser Punkte auf Sie zu? Dann ist das ein eindeutiges Zeichen, dass der Rollstuhl falsch eingestellt ist.

  • Ständiges Verrutschen oder Korrigieren der Sitzposition
  • Rötungen oder wunde Stellen am Gesäß oder den Oberschenkeln
  • Schmerzen in Nacken, Schultern oder Rücken
  • Füße berühren die Fußstützen kaum oder gar nicht
  • Schultern werden beim Sitzen hochgezogen

Tipp:
Prüfen Sie mithilfe der folgenden Kniffe, ob Ihr Rollstuhl richtig eingestellt ist. Schon bevor Beschwerden auftreten!

Was sich am Rollstuhl einstellen lässt – und was nicht

Wichtig vorab: Nicht alle Bereiche eines Rollstuhls lassen sich individuell einstellen. Vor allem die Rollstuhlbreite, die Sitzbreite und die Sitztiefe sind vom Modell vorgegeben. Deshalb ist es wichtig, sich vorher genau beraten zu lassen, um die richtigen Rollstuhl-Maße zu wählen. Ein Sanitätshaus in Ihrer Nähe – für Bamberg und die Region zum Beispiel Bruder RehaTech – hilft Ihnen, das optimale Modell zu finden. Häufig handelt es sich bei einem Rollstuhl auf Rezept um einfache Standard- oder Leichtgewichtrollstühle. Diese bieten insgesamt weniger Einstellmöglichkeiten – dafür sind sie meist auch nur für eine begrenzte Zeit gedacht.

 

Dennoch können auch bei diesen Rollstühlen einige wichtige Bereiche individuell eingestellt werden:

  • Sitzhöhe
  • Fußstützen
  • Armlehnen
  • Rückenlehne

 

Bei Aktivrollstühlen ist deutlich mehr möglich. Je nach Diagnose werden sie ebenfalls von der Versicherung gezahlt. Der größte Unterschied zu anderen Modellen: Hier wählt man nicht einfach eine Größe, sondern die Maße werden genau auf den Nutzenden zugeschnitten. Sitzmaße, Rahmen & Fahrwerk, Schwerpunkt, Radsturz und der Sitzwinkel werden individuell konfiguriert. Da die vielen Bereiche sich gegenseitig beeinflussen, ist das Zusammenspiel relativ komplex und sollte nur von Fachpersonal konfiguriert werden.

Tipp:
Lassen Sie sich vorab beraten, welches Rollstuhl-Modell das Richtige für Sie ist.

So stellen Sie den Rollstuhl richtig ein

Wenn’s drückt und Sie einfach nicht den richtigen Sitz finden, machen häufig schon kleine Veränderungen einen riesigen Unterschied. Vieles können Sie einfach und schnell selbst erledigen. Für alles andere holen Sie sich Hilfe in einem Sanitätshaus. Erfahrene Rehatechniker:innen und Fachkräfte für Pflegehilfsmittel wissen genau, was zu tun ist, damit Sie perfekt sitzen.

Sitzhöhe

Die Sitzhöhe meint die Länge vom Boden bis zur Oberkante der Sitzfläche vorne. Sie kann nicht direkt verstellt werden, sondern wird durch die Position der Antriebsräder bestimmt. Am Rahmen des Rollstuhls gibt es eine Reihe von Bohrungen, in die die Achse der Räder eingehängt wird. Je nach gewählter Bohrung sitzt man dann höher oder tiefer. Wichtig: Wird die Achsposition der Räder verändert, müssen auch immer die Bremsen neu justiert werden. Deshalb sollten Sie die Sitzhöhe immer in einem Sanitätshaus oder von erfahrenem Personal anpassen lassen.

 

Wie ist die Sitzhöhe richtig?

  • Messen Sie die Länge des Unterschenkels und rechnen Sie 4–7 cm Bodenfreiheit für die Fußstützen hinzu.
  • So überprüfen Sie, ob es passt: Lassen Sie die Arme links und rechts hängen. Sind die Handinnenflächen ungefähr über der Radnabe, ist die Höhe richtig. Das ist die optimale Position für den Griff an die Antriebsräder.
Seitenansicht des Rollstuhls mit richtig eingestellter Sitzhöhe

Tipp:
Das Sitzkissen verändert die Höhe. Deshalb unbedingt immer mit Kissen messen!

Zu niedrig eingestellte Fußstützen am Rollstuhl

Fußstützen

Die Höhe der Fußstützen lässt sich über eine Klemmschraube oder einen Steckbolzen am Fußstützenrohr verstellen. Dazu schieben Sie das Rohr einfach in die gewünschte Position und lassen die Schraube bzw. den Bolzen einrasten. Der Winkel der Fußplatte lässt sich meist durch eine Schraube verändern. Lockern Sie die Schraube, kippen Sie die Platte so, dass der Fuß bequem darauf steht, und schrauben Sie sie wieder fest.

 

Wie sitzt die Fußstütze richtig?

  • Achten Sie darauf, dass immer der ganze Fuß flach aufliegt.
  • Knie und Hüfte sollten idealerweise im rechten Winkel sein.
  • Unterhalb der Fußstützen sollten mindestens noch 3 cm Platz bis zum Boden sein.

 

Sind die Fußstützen nicht richtig eingestellt, hat das Auswirkungen auf die ganze Sitzposition im Rollstuhl. Sind sie zu hoch, drückt es unter den Oberschenkeln und das Becken kippt nach vorne. Sind sie zu tief, hängen die Beine durch und es kann ein Hohlkreuz entstehen.

Tipp:
Fast alle Fußstützen lassen sich zur Seite schwenken oder komplett abnehmen. Das ist vor allem wichtig, um sicher aus dem Rollstuhl aufzustehen oder umgesetzt zu werden. Außerdem erleichtert es den Transport.

Armlehnen

Auch die Höhe der Armlehnen können Sie bei vielen Modellen selbst einstellen. Dafür schieben Sie das Rohr der Armlehne nach oben oder unten und stellen es mit einem Steckbolzen oder einer Klemmschraube fest. Das ist in der Regel ohne Werkzeug, maximal mit einem einfachen Inbusschlüssel, schnell erledigt. Leider haben manche Kassenmodelle keine höhenverstellbaren Armlehnen. Doch das ist eher die Ausnahme und nicht die Regel: Bei den meisten Rollstühlen auf Rezept kann die Höhe zumindest in festen Stufen angepasst werden. Bei höherwertigen Modellen ist die Einstellung sogar stufenlos.

Wie sitzen die Armlehnen richtig?

  • Ober- und Unterarm sollten ungefähr im 90-Grad-Winkel stehen.
  • Die Schultern sind locker und symmetrisch.
  • Bei Selbstfahrern dürfen die Armlehnen nicht beim Greifen der Antriebsräder stören.

Sind die Armlehnen zu hoch eingestellt, merkt man das meist recht schnell. Ein verspannter, schmerzender Nacken ist das Ergebnis. Sind sie zu niedrig, kommt man schnell in eine schiefe Haltung. Der Körper neigt sich seitlich, was die Wirbelsäule belastet.

Rückenlehne des Rollstuhl von hinten

Rückenlehne

Im Gegensatz zu den Fußstützen und Armlehnen kann die Rückenlehne nur bedingt selbst verändert werden. Vor allem bei einfachen Standardrollstühlen ist sie meist fest verbaut und weder die Höhe noch der Winkel können angepasst werden. Ist der Rücken mit Bezügen bespannt, können diese enger oder weiter gestellt werden, was die Stützwirkung immerhin leicht verbessert. Bei höherwertigen Modellen hingegen und vor allem bei Adaptivrollstühlen kann die Höhe und der Winkel der Lehne individuell justiert werden. Da sich das auf die ganze Sitzposition und die Balance im Rollstuhl auswirkt, lassen Sie das am besten vom Fachpersonal in einem Sanitätshaus einstellen.

 

Wie sitzt die Rückenlehne richtig?

  • Zwischen Schulterblatt und Rückengurt sollten maximal zwei Fingerbreiten passen.
  • Gerade bei Selbstfahrenden endet die Rückenlehne knapp unter dem Schulterblatt. So hat man genug Bewegungsspielraum, um den Rollstuhl anzuschieben.
  • Der Rückenwinkel sollte so eingestellt sein, dass Sie sich leicht zurücklehnen können. Das entlastet die Wirbelsäule.

 

Bei einer zu hohen Rückenlehne sind die Schulterblätter eingeengt, dadurch wird es schwerer, an das Antriebsrad zu kommen. Bei einer zu niedrigen Rückenlehne fehlt die Stütze. Die Folge: Man macht automatisch den Rücken rund, was langfristig zu Fehlhaltungen und Verspannungen führt.

Sitzbreite und -tiefe

Auch die Sitzfläche muss stimmen. Allerdings ist zumindest bei einfachen Rollstuhl-Modellen hinterher wenig Anpassung möglich. Nur Aktivrollstühle und ähnliche Modelle können immer wieder an Ihren Körper angepasst werden. Das ist aber nichts, was Sie einfach mal eben so zuhause erledigen. Ein Sanitätshaus analysiert genau, welche Anpassungen nötig sind, und baut den Rollstuhl dementsprechend um.
Mit ein paar Faustregeln können Sie zumindest selbst überprüfen, ob das Problem an einer falschen Sitzbreite oder Sitztiefe liegt. Und gegebenenfalls auf einen anderen Rollstuhl wechseln.

 

So ist die Sitzbreite richtig:

  • Messen Sie die breiteste Stelle am Becken und rechnen Sie 4 cm dazu.
  • Sitzen Sie im Rollstuhl, sollte rechts und links neben den Oberschenkeln eine flache Hand passen.

 

So ist die Sitztiefe richtig:

  • Messen Sie den Abstand zwischen Rücken und Kniekehle und ziehen Sie 2–3 cm ab.
  • Sitzen Sie im Rollstuhl, sollte zwischen der Vorderkante der Sitzfläche und der Kniekehle 2–3 Fingerbreiten Platz sein.

Tipp:
Alles eingestellt und es passt trotzdem nicht so richtig? Das ist ein Zeichen, dass das Rollstuhl-Modell an sich nicht das Passende für Sie ist. In diesem Fall kann es helfen, einzelne Bereiche wie das Armlehnensystem auszutauschen oder mit einem Sitzkissen die Position zu verändern. Wenn’s immer noch nicht passt, sollten Sie auf einen anderen Rollstuhl wechseln. Lassen Sie sich in einem Sanitätshaus beraten. Dort werden alle Einstellungen und Möglichkeiten geprüft, bis Sie das optimale Modell gefunden haben.

Mit einem Sitzkissen den Rollstuhl anpassen

Manchmal liegt eine krumme und unbequeme Haltung gar nicht unbedingt daran, dass der Rollstuhl falsch eingestellt ist. Auch das richtige Kissen trägt dazu bei, wie Sie sitzen. Weil es die Sitzhöhe und die Druckverteilung verändert, sollte der Rollstuhl immer mit dem Kissen eingestellt werden. Wenn Sie einen Standardrollstuhl auf Rezept bekommen, ist oft erstmal keine optimale Unterlage dabei. Gerade wenn Sie aber dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind, lohnt es sich, nach dem passenden Sitzkissen zu suchen. Ein Sanitätshaus kann Sie zu den verschiedenen Möglichkeiten beraten. Oft verbessert schon ein einfaches Schaumstoffkissen die Sitzposition. Gelkissen verteilen den Druck noch besser. Spezielle Wechseldruckkissen empfehlen sich, wenn ein erhöhtes Risiko für Dekubitus besteht. Übrigens: Orthopädische Sitzkissen können auf Rezept verordnet werden

Muss ich mit meinem Rollstuhl ins Sanitätshaus?

Einiges lässt sich selbst einstellen. Vor allem, wenn Sie gut “spüren”, wann es passt und wann nicht. Für alles andere sind Sanitätshäuser da. Sie wissen genau, wie die richtige Sitzposition im Rollstuhl sein sollte und mit welchen Kniffen Sie den Rollstuhl genau passend einstellen.

 

Ist es wirklich nötig, einen Profi draufschauen zu lassen? Finden Sie es heraus! Der Weg ins Sanitätshaus empfiehlt sich, wenn

  • der Rollstuhl erst ganz neu verordnet wurde.
  • sich Ihr Gewicht um mehr als 5 kg verändert hat.
  • sich das Krankheitsbild oder die Stabilität im Rumpf verändert haben.
  • Sie Schmerzen oder Druckstellen haben.
  • schon länger als zwei Jahre niemand mehr die Einstellungen überprüft hat.

Warten Sie nicht auf Schmerzen

Ein Rollstuhl ist meist täglich in Gebrauch. Da ist es wichtig, dass er genau passt. Kompromisse sind hier fehl am Platz. Denn ist der Rollstuhl nicht richtig eingestellt, sind die Folgen weitreichend: Schmerzen, Druckstellen, Verspannungen, Fehlhaltungen und mehr sind unangenehm und können bleibende Schäden verursachen. Oft reicht schon ein leichtes Kippen der Fußstützen oder höhere Armlehnen und der ganze Sitz verbessert sich.

Doch zum Glück sind Sie damit nicht auf sich gestellt. Was Sie alleine lösen können, ist gut. Für alles andere gibt es die Profis im Sanitätshaus. Häufig ist es nämlich gar nicht so leicht, genau zu sagen, wo es drückt. Geschweige denn, mit welcher Einstellung es nicht mehr drückt. Dazu kommt, dass man sich viel zu schnell an eine falsche Haltung gewöhnt und gar nicht unbedingt merkt, dass die Schultern immer schiefer hängen. Deshalb: Warten Sie nicht auf Schmerzen. Überprüfen Sie regelmäßig ganz bewusst, ob noch alle Einstellungen optimal passen.

Rollstuhl-Beratung in Bamberg

Auf der Suche nach dem richtigen Rollstuhl? Oder der aktuelle passt irgendwie nicht mehr so richtig? Im Sanitätshaus Bruder RehaTech stellen wir so lange ein, bis Sie sagen: Jetzt passt’s! In unserer eigenen Werkstatt nehmen wir außerdem größere Umbauten an Ihrem Rollstuhl vor.

Häufige Fragen zur richtigen Rollstuhl-Einstellung

Im Rollstuhl sitzen Sie richtig, wenn Becken, Rücken, Arme und Beine gut gestützt sind und nichts drückt. Die Füße sollten vollständig auf den Fußstützen aufliegen, Knie und Hüfte idealerweise etwa im rechten Winkel stehen und die Schultern locker bleiben. Zwischen Kniekehle und Vorderkante der Sitzfläche sollten ungefähr zwei bis drei Fingerbreiten Platz sein. Wichtig ist außerdem, dass Sie nicht ständig nachrutschen oder Ihre Sitzposition korrigieren müssen.

Die Fußstützen sind richtig eingestellt, wenn der ganze Fuß flach aufliegt und unter den Fußstützen noch mindestens 3 cm Platz bis zum Boden bleiben. Knie und Hüfte sollten möglichst im rechten Winkel stehen. Viele Fußstützen lassen sich über eine Schraube oder einen Steckbolzen in der Höhe anpassen.

Die richtige Sitzbreite richtet sich nach der breitesten Stelle des Beckens. Als Faustregel gilt: Beckenbreite messen und etwa 4 cm dazurechnen. Sitzt man im Rollstuhl, sollte rechts und links neben dem Körper jeweils ungefähr eine flache Hand Platz haben. Ist der Rollstuhl zu eng, kann es drücken. Ist er zu breit, sitzt man instabiler und kommt schlechter an die Greifreifen.

Ein falsch eingestellter Rollstuhl macht sich oft durch Schmerzen, Druckstellen oder eine schlechte Sitzhaltung bemerkbar. Typische Anzeichen sind Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Rötungen am Gesäß oder an den Oberschenkeln, ständig verrutschende Sitzpositionen oder hochgezogene Schultern.

Einige Einstellungen können Sie bei den meisten Rollstühlen selbst vornehmen, zum Beispiel die Höhe der Fußstützen oder Armlehnen. Andere Anpassungen sollten besser im Sanitätshaus gemacht werden. Dazu gehört vor allem die Sitzhöhe, weil dafür die Position der Antriebsräder verändert wird und anschließend auch die Bremsen neu eingestellt werden müssen. Auch Rückenlehne, Schwerpunkt oder größere Umbauten sollten von Fachpersonal geprüft werden.

Ja, ein passendes Sitzkissen kann die Sitzposition deutlich verbessern. Es verändert die Sitzhöhe, verteilt den Druck besser und kann helfen, Druckstellen zu vermeiden. Wichtig ist: Der Rollstuhl sollte immer zusammen mit dem Sitzkissen eingestellt werden.

Ein Besuch im Sanitätshaus ist sinnvoll, wenn der Rollstuhl neu verordnet wurde, Schmerzen oder Druckstellen auftreten oder die Sitzposition nicht mehr passt. Auch nach einer Gewichtsveränderung von mehr als 5 kg, bei einem veränderten Krankheitsbild oder wenn die letzte Überprüfung länger als zwei Jahre zurückliegt, sollte der Rollstuhl kontrolliert werden.

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