Den Rollator richtig einstellen

Der neue Rollator steht im Flur. Ihre Mutter soll heute die erste Runde damit drehen und Sie fragen sich: Wie hoch gehören die Griffe eigentlich? Vielleicht lieber etwas höher, damit sie aufrechter geht? Genau dieser gut gemeinte Gedanke führt oft zu einer falschen Einstellung. Mit einem Maßband und ein paar Handgriffen lässt sich der Rollator in wenigen Minuten richtig anpassen. Erfahren Sie, welche Griffhöhe richtig ist, wie Sie die Bremsen prüfen und nachstellen und wann besser das Sanitätshaus nachjustiert.

Mitarbeiter von Bruder RehaTech berät Seniorin beim Finden des passenden Rollators

Warum die richtige Einstellung so viel ausmacht

Ein Rollator erleichtert das Gehen, wenn es im Alter oder wegen einer Erkrankung schwerfällt. Die Gelenke der Beine werden entlastet und er unterstützt dabei, die Balance zu halten. Außerdem senkt er das Risiko zu stürzen. Allerdings nur, wenn der Rollator passend eingestellt ist. Sind die Griffe zu niedrig, geht man automatisch gebeugt. Der Schwerpunkt wandert nach vorne. Das führt dazu, dass Rücken, Nacken und Hände mehr belastet und im Zweifel überlastet werden. Im schlimmsten Fall wird es wahrscheinlicher, nach vorne zu fallen. Dazu kommt, dass es in dieser Haltung deutlich schwieriger wird, Bordsteine oder kleine Treppenstufen zu überwinden. Noch häufiger werden die Rollator-Griffe aber zu hoch eingestellt. Viele ziehen dann die Schultern hoch und der Nacken verspannt. Ein weiteres Problem ist, dass man bei zu hohen Griffen automatisch weiter weg steht und damit weniger Kontrolle über den Rollator hat.

Tipp
Ein richtig eingestellter Rollator macht die Nutzung sicherer und gesünder. Das Risiko für einen Sturz wird minimiert und gleichzeitig verbessert sich die Körperhaltung.

Nicht alles lässt sich einstellen

Ein Rollator setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Einige davon lassen sich verstellen, andere sind durch das Modell vorgegeben und fix.

 

  • Griffe: Je nach Modell in Stufen oder stufenlos in der Höhe einstellen
  • Handbremsen: Bremswirkung über eine Stellschraube am Bremszug justierbar
  • Feststellbremse: hat keine eigene Einstellung, da sie an der Handbremse hängt
  • Räder und Reifen: bei Luftreifen Luftdruck anpassen und gegebenenfalls abgefahrene Reifen tauschen
  • Sitz: Höhe fest, ein Rückengurt kann nachgerüstet werden
  • Zubehör: Korb, Tasche, Tablett oder Stockhalter müssen fest angebracht werden

 

Andere Teile wie beispielsweise der Rahmen an sich, die Breite oder die Sitzhöhe sind nicht verstellbar und müssen dementsprechend von Anfang an passen. Die Griffhöhe lässt sich nur innerhalb eines festgelegten Bereiches einstellen. Und auch die Verwendung muss berücksichtigt werden. Je nachdem, wo Sie den Rollator mehr nutzen, wählen Sie einen Indoor- oder Outdoor-Rollator. Deshalb ist es so wichtig, nicht einfach “irgendeinen” Rollator zu beschaffen. Im Sanitätshaus Bruder RehaTech werden Sie genau beraten, bis das richtige Modell gefunden ist.

Tipp:

Manches können Sie schnell selbst erledigen: die Griffhöhe anpassen, die Bremsen leicht nachstellen, eine Schraube festziehen oder Zubehör wechseln. Brauchen Sie Hilfe, ist das Sanitätshaus, von dem Sie den Rollator haben, die passende Anlaufstelle.

Die erste Einstellung, wenn der Rollator geliefert wird, übernehmen sowieso wir. Und auch wenn später irgendwas nicht mehr so richtig passt, prüfen wir, was nachgestellt werden muss – entweder in unserer Geschäftsstelle in Hallstadt oder bei Ihnen zuhause.

Rollator-Höhe einstellen

Die Griffhöhe des Rollators lässt sich ändern, indem Sie die seitlichen Rohre nach oben oder unten schieben. Das geht häufig sogar ohne Werkzeug. Die meisten Modelle haben entweder einen Sterngriff zum Aufschrauben, einen Klemmhebel oder einen Schnellverschluss. Passt die Griffhöhe nicht, sind häufig Schmerzen im Rücken, Nacken oder den Handflächen die Folge. Im Zweifel holen Sie sich Rat im Sanitätshaus, um Folgebeschwerden zu verhindern.

 

So gehen sie Schritt für Schritt vor:

  1. Ziehen Sie die Schuhe an, in denen Sie mit dem Rollator am häufigsten unterwegs sind. Die Sohle verändert die Höhe.
  2. Aktivieren Sie die Feststellbremse und stellen Sie sich aufrecht und nah an den Rollator. Die Füße sollten etwa auf Höhe der Hinterräder stehen.
  3. Lassen Sie die Arme locker hängen: Beugen Sie die Handfläche nach innen. Die Falte, die sich dabei am Handgelenk bildet (= Handgelenksfalte), markiert die richtige Höhe. Das ist grob dort, wo die Hand in den Unterarm übergeht.
  4. Lösen Sie am seitlichen Rohr die Fixierung (je nach Modell Sterngriff, Klemmhebel oder Schnellverschluss).
  5. Bringen Sie den Griff auf die passende Höhe. Viele Modelle haben feste Stufen, die oft mit Ziffern an der Innenseite versehen sind.
  6. Stellen Sie beide Seiten auf die gleiche Stufe. Verschließen Sie beide Seiten fest und testen Sie anschließend, ob alles hält, indem Sie leicht am Griff rütteln.
  7. Passen die Einstellungen? Machen Sie die Gegenprobe: Wenn Sie die Griffe fassen, sollten die Ellenbogen leicht gebeugt sein, die Schultern locker und der Rücken gerade.
  8. Notieren oder markieren Sie sich die Stufe. So können Sie den Rollator nach dem Zusammenfalten oder dem Transport ruckzuck wieder auf die gewohnte Höhe bringen.

 

Die richtige Griffhöhe kann auch gemessen werden. Dafür misst man mit einem Maßband vom Boden zur Handgelenksfalte. Wichtig ist auch hier, Schuhe zu tragen und aufrecht zu stehen. Dieser Abstand gibt an, wie hoch die Griffe gehören. Dieser Abstand ist schon bei der Wahl des passenden Rollators wichtig. Denn die Maße müssen im möglichen Verstellbereich der Griffe liegen. Manche Modelle gibt es in den Größen S bis L.

Wichtiger Hinweis:

Diese Faustregel gilt in vielen Fällen, aber nicht in allen. Manchmal gibt die Physio- oder Ergotherapie eine andere Höhe vor, um die Haltung zu trainieren. Dann gilt immer die Empfehlung des Fachpersonals.

Bremsen prüfen und nachstellen

Es liegt auf der Hand, dass die Bremsen für den sicheren Gebrauch des Rollators enorm wichtig sind. Dabei wird zwischen der Handbremse zum Abbremsen der Geschwindigkeit und der Feststellbremse zum Parken unterschieden. Für letztere drückt man beide Hebel nach unten, bis sie einrasten. Wenn die Bremsen am Rollator richtig eingestellt sind, greifen sie auf beiden Seiten gleichmäßig, die Bremswirkung lässt sich sanft dosieren und der Rollator kommt sicher zum Stehen. Ist die Feststellbremse aktiviert, darf sich kein Rad bewegen. Das sollte in jedem Fall regelmäßig überprüft werden. Dafür ziehen Sie den Hebel nach unten und schieben den Rollator. Jetzt dürfen sich die Räder nicht drehen, sondern müssen sofort blockieren.

 

Passt die Bremswirkung nicht mehr, müssen die Bremsen nachgestellt werden. Wie das genau geht, kann sich von Rollator zu Rollator leicht unterscheiden. Wollen Sie die Bremse selbst nachziehen, werfen Sie einen Blick in die Bedienungsanleitung. Dort ist auch angegeben, welchen Abstand der Bremsklotz zum Rad haben sollte. Meist muss zum Nachstellen eine Mutter am Bremszug gelöst werden, dann die Einstellschraube gedreht und die Mutter wieder festgezogen werden.

Testen Sie nach jedem Nachstellen die Bremsen, ob alles einwandfrei funktioniert. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, wenden Sie sich am besten an Ihr Sanitätshaus und lassen die Bremsen dort richtig einstellen. Sollten die Bremsen auch nach dem Nachstellen nicht funktionieren, weil zum Beispiel eine Seite schwächer bremst oder sie immer noch nicht richtig greift, sollten Sie auf jeden Fall vom Sanitätshaus nachbessern lassen. Ist etwas Größeres im Argen, hat Bruder RehaTech in Hallstadt eine eigene Werkstatt, in der wir Ihren Rollator einstellen und reparieren.

Hinweis:

Abgefahrene Reifen schwächen die Bremswirkung. Gegebenenfalls hilft das Nachstellen also nicht immer, sondern die Reifen müssen getauscht werden.

Rollator Stylus

Sitz, Reifen und Zubehör im Blick behalten

Die Griffhöhe und die Bremsen sind die beiden wichtigsten Punkte, die Sie selbst einstellen können. Auch die Höhe des Sitzes sollte stimmen, sie lässt sich aber nicht verstellen. Achten Sie also schon bei der Wahl des Modells auf die passende Sitzhöhe. Sie stimmt, wenn beim Sitzen die Füße flach auf dem Boden stehen und die Knie etwa im rechten Winkel gebeugt sind.

 

Die Reifen selbst könnten zwar nicht „verstellt“ werden. Der Reifendruck hingegen schon. Deshalb sollten Sie bei Luftreifen regelmäßig den Druck prüfen. Bei allen Reifen gilt: Abgefahrene Reifen schwächen die Bremsen.

 

Zubehör montieren Sie erst, wenn alles am Rollator richtig eingestellt ist. Achten Sie darauf, die Schrauben regelmäßig festzuziehen, damit Tablett, Korb und Co. zuverlässig halten.

Der Rollator-Monatscheck: Nur fünf Minuten für Ihre Sicherheit

Rollator-Hersteller empfehlen alle Einstellungen “regelmäßig” zu überprüfen. Das gelingt am besten, wenn es zur festen Routine wird. Unsere Empfehlung: Nehmen Sie sich einen festen Tag im Monat vor (z. B. immer den erste Samstag im Monat), an dem Sie die folgende Liste abhaken:

 

  • Griffe gleich hoch, Rohre fest verriegelt, Stufe wie bei der letzten Einstellung notiert
  • Griffe sind bei locker hängenden Armen auf Höhe der Handgelenksfalte
  • Beide Bremsen greifen gleich stark, Feststellbremse hält
  • Reifen ohne Risse, genug Profil vorhanden, Luftreifen ausreichend gefüllt
  • Schrauben und Schnellverschlüsse sitzen fest
  • Faltsicherung rastet ein (verhindert, dass der Rollator unbeabsichtigt zusammenklappt)
  • Rahmen ohne Risse oder Verformungen
  • Sitz, Korb und Tasche fest

 

Zusätzlich empfehlen wir, den Rollator einmal im Jahr vom Sanitätshaus warten zu lassen.

In diesen Fällen sollte das Sanitätshaus ran

Viele Dinge gehen einfach schneller, wenn man sie mal eben selbst anpasst. Scheuen Sie sich aber nicht, Ihr Sanitätshaus zu Rate zu ziehen: Wir sind dafür da, Ihnen einen sicheren und genau auf Sie abgestimmten Rollator zu überlassen. Wenn Sie den Rollator von uns geliefert bekommen, stellen wir den Rollator richtig ein und erklären Ihnen die korrekte Nutzung.

 

In folgenden Fällen sollten Sie die Einstellung in jedem Fall von uns überprüfen lassen:

  • Schmerzen oder Verspannungen
  • Veränderte Körperhaltung oder Gesundheitszustand
  • Nach einem Sturz
  • Bremsen lassen sich nicht mehr einstellen
  • Geräusche wie Klappern oder Schleifen
  • Neues Zubehör wie ein Rückengurt

Ein falsch eingestellter Rollator hat Folgen

Ein falsch eingestellter Rollator macht sich schnell bemerkbar: Die Schultern ziehen nach oben, der Rücken krümmt sich, und nach dem Spaziergang schmerzen Nacken oder Handgelenke. Einen gut eingestellten Rollator dagegen merkt man kaum: Die Schultern bleiben locker, der Rücken gerade, und die Bremsen greifen, wenn es darauf ankommt. Für die Griffhöhe reichen ein Maßband und ein paar Minuten Zeit. Merken Sie sich die Faustregel mit dem Handgelenk und testen Sie die Bremsen regelmäßig. Und wenn trotzdem etwas zwickt oder hakt, schauen wir gern gemeinsam mit Ihnen drauf.

Rollator richtig einstellen in Bamberg

Ein Rollator lässt sich nur so gut einstellen, wie er zu Ihnen passt. Deshalb beginnen wir einen Schritt früher: Gemeinsam mit Ihnen finden wir das Modell, das zu Ihrer Körpergröße, Ihrer Wohnung und Ihren Wegen passt. Bei der Übergabe stellen wir den Rollator auf Sie ein und zeigen Ihnen, worauf Sie selbst achten können. Und wenn später etwas nachjustiert werden muss, kümmern wir uns in unserer Werkstatt in Hallstadt oder bei Ihnen zuhause darum.

Häufige Fragen zur richtigen Rollator-Einstellung

Am genauesten ist es, zu messen statt zu schätzen. Ziehen Sie Ihre Alltagsschuhe an, stellen Sie sich aufrecht hin und messen Sie vom Boden bis zur sogenannten Handgelenksfalte. Dieser Wert ist Ihre Griffhöhe. Die Körpergröße allein reicht als Orientierung nicht, weil Arme und Haltung bei jedem Menschen anders sind.

Die Griffe gehören auf die Höhe Ihrer Handgelenke. Stellen Sie sich aufrecht hin und lassen Sie die Arme hängen. Wenn Sie die Griffe dann festhalten, sollten sich die Arme leicht beugen. Hat Ihre Physiotherapie eine andere Höhe empfohlen, gilt diese.

Sind die Griffe zu hoch, ziehen Sie die Schultern hoch, der Nacken verspannt sich und Sie stehen weiter vom Rollator weg. Sind sie zu niedrig, gehen Sie gebeugt und belasten Rücken und Handgelenke. Schmerzen nach dem Gehen oder das Gefühl, den Rollator vor sich herschieben zu müssen, sind typische Warnzeichen.

Bei den meisten Modellen ja. In der Regel sitzt dafür eine Stellschraube am Bremszug: Kontermutter lösen, Schraube drehen, Mutter wieder festziehen und die Bremse testen. Wie das bei Ihrem Modell genau geht, steht in der Gebrauchsanweisung. Greift die Bremse danach nicht sicher oder auf beiden Seiten unterschiedlich stark, bringen Sie den Rollator besser ins Sanitätshaus.

Testen Sie die Bremsen am besten kurz, bevor Sie rausgehen. Einmal im Monat lohnt ein genauerer Blick auf Griffe, Bremsen, Reifen und Schrauben. Zusätzlich sollte der Rollator mindestens einmal im Jahr im Sanitätshaus gewartet werden.

Über den Autor

Bild von Sven Bruder

Sven Bruder

Sven Bruder ist Geschäftsführer von Bruder RehaTech und verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Reha- und Sanitätstechnik.

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